Soll der Staat Trinkgelder verpflichtend machen?


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Von Jacob Hornberger

Als ich noch an der juristischen Fakultät studierte, habe ich einige Monate lang in einem Restaurant in Texas gekellnert. Es gab zwar gutes Trinkgeld, aber ab und zu wurde ich auch von einem Gast übergangen. Gäste dieser Art waren nett und freundlich und beschwerten sich nie über den Service, verließen das Restaurant aber dann einfach ohne Trinkgeld. Jeder Kellner hat das schon mal erlebt.

Liegt hier nicht der Sinn des staatlichen Mindestlohngesetzes? Schreibt es nicht vor, dass die Arbeitnehmer von den Arbeitgebern einen staatlich festgelegten Mindestlohn erhalten, um sicherzustellen, dass sie nicht von den Arbeitgebern ausgebeutet werden, indem sie weniger als einen Mindestlohn zahlen?

Und warum sollte der Staat nicht das Gleiche tun und ein Gesetz über das Trinkgeld erlassen, wonach Restaurantkunden den Kellnern mindestens 15 Prozent Trinkgeld zahlen müssen? Da der Staat die Arbeitnehmer mit einem Mindestlohngesetz vor der Möglichkeit der Ausbeutung schützt, warum sollte er die Kellner nicht vor der Möglichkeit der Ausbeutung durch Restaurantkunden schützen?

Die Begründung liegt in der Freiheit. Die Mehrheit der Amerikaner möchte nicht, dass der Staat am Trinkgeld beteiligt ist. Sie begreifen, dass die Frage des Trinkgeldes einfach nichts mit dem Staat zu tun hat. Vielmehr wollen sie, dass die Angelegenheit auf dem freien Markt geregelt wird, d.h. einem Markt, der keinerlei staatliche Einflussnahme oder Beteiligung kennt.

In der Tat hat sich der freie Markt eine Vielzahl von Alternativen für das Trinkgeld entwickelt. Manche Restaurants vertrauen die Frage des Trinkgeldes ganz den Kunden an. Sollten sie kein Trinkgeld geben, ist das ihre Sache.

Der Kellner übernimmt dabei das Risiko. Andere Restaurants versuchen, die Kellner vor fehlendem Trinkgeld zu schützen, und bieten ihnen einen Grundlohn, der zumindest ein gewisses Einkommen garantiert, selbst wenn der Kellner einen schlechten Tag in Bezug auf das Trinkgeld hat.

In anderen Restaurants wird ein festgelegtes Trinkgeld - z.B. 15 Prozent - immer dann gezahlt, wenn beispielsweise 6 oder mehr Personen an einem Tisch sitzen. Dadurch wird der Kellner vor einem Trinkgeldverzicht geschützt, weil er einen Großteil seiner Zeit und Energie für diese spezielle Gruppe aufgewendet hat.

In anderen Restaurants besteht sogar die Möglichkeit, ein Trinkgeld für alle Kunden - sagen wir 15 Prozent - zu verlangen. Falls der Kunde mit dieser Politik nicht einverstanden ist, muss er woanders essen.

Der springende Punkt ist, dass das Trinkgeld keine Angelegenheit des Staates ist. Er sollte sich ganz einfach aus dem Thema heraushalten. Bedienungen, Restaurants und Kunden sind in der Lage, das selbst zu regeln, ohne dass der Staat als Elternteil fungiert.

Im übrigen gilt dasselbe Prinzip auch für Gehälter und alle anderen wirtschaftlichen Aktivitäten. Idealerweise würden die Amerikaner Wirtschaft und Staat vollständig voneinander trennen, so wie unsere Vorfahren Kirche und Staat trennten. Der Staat ist nicht unser Vater. Wir brauchen ihn auch nicht, um auf uns aufzupassen und für uns zu sorgen. Alle Menschen, auch Kellner und andere Arbeitnehmer, können sich voll und ganz um sich selbst kümmern.

Written by Jacob G. Hornberger, translated by me and published with permission from the author. Link to the original article at The Future for Freedom Foundation.


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