gefangene der grauen tristes


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grau

grau in grau die fassaden
seelen nehmen schaden
große beblöcke von beton und eisen
den mensch der natur entreißen
so viele unzufriedene geister
nur wenig hoffnung bringt da farb und kleister
Käpt´n Kalle


ein philosophischer exkurs über das grau

über architektur lässt sich streiten. ganz besonders über jene unserer zeit. eines lässt sich jedoch nicht bestreiten, das leben im modernen urbanen raum macht alles andere als glücklich. nicht umsonst sind psychologen gefragter denn je und der absatz von psychopharmaka so hoch wie nie. auch die hohe zahl an süchtigen und das zwanghafte verlangen, mit hilfe von substanzen oder tätigkeiten dem leben zu entfliehen, zeugen vom kranken zustand der gesellschaft. seines natürlichen umfeldes wurde der mensch beraubt und die vorherrschende tristes sowie das grau großer betonblöcke im urbanen raum wirkt wie eine erdrückende zwangsjacke. luft zum atmen fehlt, kontrolliert und überwacht quetschen sich die menschenmassen in die tristen städte. umschlossen von hohen grauen wänden befinden sich die geknechteten massen in einem riesigen gefängnis. eigentlich sollten bauwerke dem menschen dienen. zwanghaftes bewahren langweiliger grautöne offenbart ebenso wie die erhebung des schlichten zum heiligtum die unterdrückung und unterwerfung des menschen. durch die grauenhaft bunte konsumwelt, die absolute reduktion auf funktion gepaart mit der abschaffung jeglicher ornamente und des schönen am bau, fühlen sich menschen berufen, dieser welt den kampf anzusagen. dem wahn sowie der tristes soll abhilfe geschaffen werden. solche eigenmächtigen aktionen finden jedoch nur wenig verständnis und werden dementsprechend nicht nur unterdrückt, sondern auch bekämpft und sanktioniert. schließlich stellen doch solche taten werte, aufbau und zustand der gesellschaft in frage.


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