KOMMENTAR - Wer macht das "social" in "media"? Eine systemische Sicht.


Dieser Post ist eine Reaktion auf meinen jüngsten Austausch mit @pharesim.

Da ich keinen so langen Kommentar auf seinem Blog-Post machen will, veröffentliche ich sie hier auf meinem. Auch discord eignet sich nicht.
Hier](https://goldvoice.club/steem/@erh.germany/pxh13u) geht's zum Kommentar-Thread
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Als Programmierer/Entwickler kannst du Dezentralität für dich nutzen, ein Spiel entwickeln oder eine andere Applikation auf der Basis deiner eigenen Ideen und Möglichkeiten, da du darin eine Expertise hast.

Andere, die keine Programmierer/Entwickler von technischen Anwendungen sind, wollen genau eben dieses tun.

Auf der Basis von sozialen Systemen etwa. Du sprichst von Software-Systemen, ich von Gruppen-Systemen (= social media). Dezentralisierung bedeutet, die Mittelsmann-Instanz zwischen Anbieter und Nachfrager übergehen zu können. Das dürfte uns soweit allen klar sein.

Wenn ich als Teilnehmer von social media beschließe, d die Instanz (Regelwerk menschlichen Zusammenlebens) zwischen eim Anbieter (Befürworter/G/Gegner) - etwa d Methode von Entscheidungsfindung/Meinungsbildung - und einem Nachfrager - demjenigen, der eine Entscheidung treffen will - zu übergehen, dann agiere ich dezentral. Ich bin dann entweder selbst ein Entwickler einer solchen Methode oder aber verbreite eine bereits existierende, um dafür Liebhaber zu gewinnen. Ich mache darum nichts anderes als du. Nenne es den "Entscheidungs-ToToken". :)

DeReiz einer Sache liegt in seiner Innovation.

Mein als innovativ wahrgenommenes Mittel heißt "Systemischer Konsens". Du hast beispielsweise Applikationen oder Spiele entwickelt. Wo ist da der Unterschied?

Während du glaubst, ich habe Dezentralität nicht verstanden, glaube ich, dass du Systemischen Konsens nicht gut genug kennst. Es ist, im Gegensatz zu dem mittlerweile über die Blockchain als Mittelsmann-Übergeher (Bank als zentrale Stelle zwischen Kontoinhaber A und Kontoinhaber B auszuhebeln) überhaupt sehr viel weniger bekannt.

Damit Menschen Entscheidungen treffen können, gibt es das etablierte Mittel von Mehrheitswahlen, die dann idealerweise den politischen Willen des Volkes durch seine Regierungsvertreter in die Welt bringen sollen. Man wählt aber keine Themen direkt und man ist nicht in der Situation, Vorschläge einzureichen, die die Basis für Entscheidungen sind.

In einem dezentralen Umfeld wie dem von Steemit spielt aber das Soziale eine entscheidende Rolle.

Aus meiner Sicht, und ich schätze auch aus deiner, ist der große Vorteil von Blockchains der, dass man kein Vertrauen zwischen Anbieter und Nachfrager mühsam aufbauen muss, dieses ist durch die Natur der Blockchain unnötig geworden (so zumindest das Ideal).

Da die Userschaft von Steemit eine große Gruppe ist, könnte man, um die hitzigen Debatten, die Selbstdarstellung, den Opportunismus und Lobbyismus, den wir alle oft sehr fragwürdig finden (und genauso oft selbst erliegen, ich nehme mich da nicht aus), durch eine andere Methode schwächen. Indem wir jedem Einzelnen es überlassen, aus einer Reihe von Vorschlägen die Mechanismen dieser Plattform mit bestimmen zu können. Im Moment des Entstehens beispielsweise.

Die große Frage ist dann:

Wie dezentral sind die Mechanismen, die hier bereit gestellt werden und von wem werden sie gesteuert?

Die Höhe der Payouts und die Verteilung: ist das ein Ausdruck von Erfahrung, Fehler und Korrektur der gesamten Community? Ich finde nicht, dass diese Frage hier jemals konkret beantwortet wurde. Ich muss davon ausgehen und tue das auch, dass die Steuerung der Mechanismen durch Steemit Inc und euch witnesse erfolgt. Ihr entscheidet, auf der Basis eurer Möglichkeiten und Ansichten, was gut für das Portal sein könnte. Inwieweit ihr euch auf die Community stützt, bleibt dabei unklar. Ich täte mich schwer, denn auch als witnesse seid ihr den Einflüssen und Verwirrungen der vielen Stimmen ausgesetzt.

Hättest du nicht gerne so authentische Stimmen wie möglich? Das Ergebnis einer Userschaft, wo du nicht erst hunderte von Kommentaren und Gegen-Kommentaren lesen und interpretieren müsstest? Es ist recht leicht, jemandem zu schmeicheln und "Gut gemacht!" oder "Was für ein Mist!" zu rufen. Wie fundiert oder interessiert aber jemand wirklich ist, findest du damit nicht unbedingt heraus.

Können die Top 20 witnesse die Mechanismen so designen, wie sie es für richtig halten? Wer hat die letzte Entscheidungs-Instanz?

Weder du noch ich weiß, wie Menschen sich entscheiden, wenn man ihnen mehr als zwei oder weniger als zehn Optionen anbietet. Die Entscheidungsfindung auf der Basis von Vorschlägen treffen Menschen üblicherweise sehr viel besser, wenn sie in der Selbstbefragung und Reflektion vernünftig sein können (allein und geheim). Ganz ohne den Einfluss von Interessengruppen, Druck der Gruppe oder sonst einer Öffentlichkeit. Die letzte Entscheidung sollte in der stillen Kammer getroffen werden, bei der man sich nicht öffentlich positionieren, argumentieren, profilieren oder verkaufen muss.

Dieser Logik folgend, kommt es auf die Vorschläge an.

Um möglichst viele Vorschläge einsammeln und zur Wahl stellen zu können, ist das wohl der schwierigste Teil, weil man die Vielfältigkeit und Intelligenz ganz verschiedener Menschen dazu benötigt, damit eine Liste mit Optionen zur Verfügung steht. Das ist ein demokratischer Prozess, kluge Menschen haben sich darüber viele Gedanken gemacht.

Ich persönlich bekomme Schwierigkeiten, wenn ich eine Liste mit verschiedenen Vorschlägen vor mir habe und mich dann nach nur einer Präferenz entscheiden soll. Zwangsläufig produziert diese Methode Unzufriedenheit, weil es dabei Gewinner und Verlierer gibt. Die systemische Konsens-Methode aber geht gar nicht nach einer einzelnen Präferenz, sondern sie trägt der Erfahrung Rechnung, dass Menschen sich vernünftig entscheiden können und werden, wenn man genügend Skalierung einbaut. Und nach dem geringsten eigenen inneren Widerstand hinsichtlich eines jeden Vorschlags seine Entscheidung trifft.

Simples Beispiel. Ich sage:

Triff die Wahl zwischen rot, grün, gelb und blau.

Jetzt sollst du deine Präferenz abgeben. Du aber findest alle Farben haben etwas Positives und weniger Positives. Du würdest sehr viel lieber danach gehen, was dir die geringsten Bauchschmerzen bereitet. Auf einer Skala von 0-10 Gewichtungen zu verteilen, ist angenehmer.

Ich WEIß nicht, wie die Leute hier auf Steemit entscheiden würden, wenn sie hier "Ordnung machen" wollen. Ich kann es nur vermuten oder interpretieren und schaue instinktiv dort, wo am meisten los ist. Das liegt auch in der Natur des Menschen, nicht? Da hinzusehen, wo der meiste Traffic ist. Wir aber wissen, dass das nicht das beste aller Kriterien ist. Versuchen aber, nach genau diesem Prinzip vorzugehen.

Das Wesen von authentischer Demokratie ist das Folgende: Mit Entscheidungen umgehen zu können, die nicht zwangsläufig meine totale Übereinstimmung treffen.

Es ist von essentieller Bedeutung, wie ich die getroffene Wahl einer großen Gruppe von Menschen wahrnehme.

Wenn ich finde, dass das Wahl-Ergebnis entgegen meiner eigenen Wahl ausgefallen ist, dann ist meine Abneigung und Frustration groß.

Das Interessante von Demokratie (social media) ist aber, dass ich mich damit einverstanden erklären kann, dass manches anders entschieden wird, als ich es gerne hätte und ich damit zufrieden sein werde, bis zur nächsten Wahl. WENN ich davon ausgehen kann, dass die Menschen ihre Wahl vernünftig getroffen haben. Diese Vernunft ist wohl das Wichtigste, was man bei anderen gerne sähe.

Der Rahmen für Vernunft ist nicht Zentralität (ein Schuh, der allen passen soll), ist nicht Mehrheitswahlrecht, es ist das Vertrauen in die vernünftige Entscheidung einzelner Menschen, die sich am geringsten inneren Widerstand orientieren. Soweit ich solches nicht erkennen kann, so lange öffentliche Meinung von dort kommt, wo die größte Finanzkraft herkommt, so lange ich einseitige Präferenzen habe oder bedienen soll, bleibe ich unzufrieden und es frustriert mich, so viele andere Unzufriedene zu sehen.

Mein Szenario und die Vorschläge, die ich dazu in meinem Post gemacht habe, sind ein Experiment und ein Versuch, solches zu kommunizieren. Du hättest kommen und eigene machen oder ergänzen können, ich habe dich mehrmals explizit erwähnt. Mir kommt es noch nicht mal so sehr auf die derzeitigen Vorschläge an, zunächst interessiere ich mich dafür, so viele Experimente mit verschiedenen Themen wie möglich zu machen.

Sollte letztlich bei einem derartigen Experiment herauskommen, dass die Steemit Userschaft sich eine Legislative, Exekutive und Judikative wünscht, ist das für mich ein Referenzpunkt. Die Frage nach der Kompensation ist dabei sicher wichtig. Niemand wird sich langfristig und verbindlich engagieren, wenn nicht seine Aktivität kompensiert wird. Ich kenne niemanden, der sich auf ein "eventuell" einlässt, wenn das Engagement hoch sein muss.

Ich kann dann schließlich entscheiden, ob ich weiter Teil dieses Systems sein will oder nicht. Unser Problem ist in der Regel - dass wir meinen, zu wissen, welche Anreize wir schaffen müssen, damit andere sich so oder so verhalten. Wir behandeln Menschen gern wie Schachfiguren, die wir schieben wollen (mittels Belohnung oder Bestrafung).

Was hier als Community begriffen wird, sind sich zu zentralen Einheiten zusammenschließende Personen oder Einzelpersonen,

die wiederum die Methoden anwenden, die sie von woanders kennen. Regelwerk, Mechanik und Verbreitung: Sind die wirklich anders als außerhalb von Steemit? Und warum sollte es nicht etwa anders sein können? Eine neue Methode anzuwenden, wäre aus meiner Sicht noch interessanter.

Ich muss mir sehr sehr große Mühe geben, die vielen sich andienenden Selbstdarstellungen, selbst ernannten Sherifs und Getöse-Produzenten nicht anzugreifen.

Es ist echt schwierig. Manchmal gewinnt mein Unmut und ich kommentiere, weil ich aus einem negativen Gesamteindruck heraus etwas loswerden will. Dann aber bekomme ich den Eindruck vermittelt, dass ... Ja oder Nein. Richtig oder falsch, schwarz oder weiß.

Eines ist auch klar: Nach der Methode des systemischen Konsens ist eine enge Zusammenarbeit und das Formulieren von Vorschlägen recht zeitaufwändig. Denn zunächst muss man darüber Konsens erlangen, welche Vorschläge tatsächlich zur Abstimmung kommen sollen. Willkommen in der Demokratie 2.0!

"Mit nur einem Click?"

Social Media ist aus meiner Sicht und sollte es auch nicht weiter sein, ein Becken, wo spontane Impulse mittels schnellem Click ausgelebt, wo geliebt und gehasst wird, als wäre der spontane Impuls etwa eine Art Gral und clevere Entscheidungs-Mechanik. Dazu sind die Kanäle viel zu wichtig geworden und eingespeist in den großen Bauch unseres Wirtschafts-Systems. Es hat Bedeutung, was wir hier tun.

Wenn ich aber mit diesem oder anderen Vorschlägen absolut falsch liege, Dezentralität etwa nicht auch in sozialen Kontexten gesucht werden will, dieses hier viel Rauch um das Übliche ist, möchte ich Gewissheit herstellen.

Was facebook & co einmal waren und was sie geworden sind, so die Botschaft, will Steemit nicht sein oder werden. Oder? Wer aber bestimmt darüber?

Wer macht das "social" in "media"?

Wenn ich hier auf einer Geldverdiener-Plattform gelandet bin, bei der es wirklich allein um den Profit geht, dann brauche ich aber das "social" nicht. Schwierig, denn ohne die vielen funktioniert das ganze Modell nicht mehr. Dann wäre ich vielleicht einfach eine Person, die Geld auf Tasche hat und in andere Krypto-Währungen investiert, wo das Bloggen und die Inhalte erst gar nicht aufgelegt werden. Oder ich das Spiel liebe, mit Geld gamble und gucke, wo die größten Pötte zum Absahnen rumliegen oder wo ich der Erste sein kann.

Warum Steemit Inc. so vehement kritisiert wird, ist durchaus nachvollziehbar. Man hat irgendwie die Annahme, dass sich da ein paar Jungs zusammengetan haben, die eine geile Idee hatten. Ihre Expertise war von technischer Natur und diese Fähigkeit, eine Blockchain auf Kryptowährungsbasis technisch aufzubauen, gekopplet an "social media": erst mal scheinar eine gute Idee. "Teilnehmer werden fürs Bloggen bezahlt". Die Internet-Userschaft kennt ja social media bereits durch die Vorreiter.

Aber ist das wirklich alles? Einen social media Kanal ins Leben zu rufen, der dann auch noch die Präsenz der Großen erreichen soll, hat man sich vom Gründungsteam dazu eigentlich Gedanken gemacht? Welche Verantwortung hat jemand, der solches technisch ermöglicht? Was will er denn selbst? Diese Fragen wurden und werden immer wieder an diejenigen gestellt, die bereits so viel Präsenz erreicht haben, dass sie als wirtschaftlich UND sozial relevant angesehen werden: Youtube, Facebook, Twitter, Instagram & so weiter.

Was als großer Spaß begonnen hat, ist nun ein Teil unseres Daseins geworden. Das ist doch wohl kein Pappenstil.

Auch von Steemit Inc und euch witnessen will man wissen, ob ihr diese Zusammenhänge begreift oder ob sie euch kümmern.

Die andere Kritik ist, dass ihr witnesse ein wenig den Parlamentariern auf der guten alten Erde ähnelt, die sich zur Wahl aufstellen lassen. Ich bin noch immer nicht dahinter gekommen, auf welcher Basis, mit welchem Programm jeder witness eigentlich antritt. Es sieht so aus für mich, dass es hier sehr viel darum geht, sich als User oder kleine Fische-Community des Wohlwollens der witnesse oder Wale zu versichern und ihnen nach dem Mund zu reden, ganz einfach, weil man dadurch in den Vorteil gelangt, gemocht und unterstützt zu werden. Doch in einem System, welches Kritik zulässt, werden auch die Kritiker angehört und sich mit ihnen auseinandergesetzt. Dort, wo keine demokratische Grundordnung ist und keine Opposition anhört werden MUSS, kann man Kritik (die einem nicht gefällt) getrost ignorieren.

Darum sehe ich meine Teilnahme hier bei Steemit nicht allein vor dem Steemit-Hintergrund, sondern vor dem Hintergrund eines Austausches im gesamten sozialen Kontext des Internets - ich bin ein Rädchen im Getriebe der bestehenden Internet-Kanäle. Steemit ist klein genug, um eine Richtung zu ändern und groß genug, um Vielfalt auszudrücken. Jedenfalls nach meinem Eindruck.

Ihr Entscheider und Einflussnehmer mit großer Stärke (VP = Unterstützungs- und Verteilungspotenzial) erkennt nicht immer, was genau und warum es benötigt wird.

Wie würde es dir gefallen, wenn ich dir sagte, dass du meine Zeit verschwendest, weil ich mehr berufliche Expertise im sozialen Sektor habe und das mein Beruf ist?

Für mich ist systemischer Konsens demokratische "Grundordnung +".

Da sie nicht im Bundestag oder der EU angewendet wird, wäre das ein neuer Feld-Versuch. Ich sehe es so, dass wir die Fehler wiederholen, die wir bei anderen sehen. Man lernt einiges dabei. Aber interessanter fände ich, etwas Neues auszuprobieren.

Das soll reichen. Manche der Formulierungen und Dinge, die ich sage, sind nicht nur allein für dich bestimmt. Es ist ja klar, dass irgendwer anderes schon mitlesen wird.

Ich werde das Ganze wohl noch mal ins Englische übersetzen.
Userin @erh.germany


Comments 4


Sorry, aber dieser post geht komplett an unserer Diskussion vorbei.
Wie ich bereits gesagt habe, ich habe nicht deine Methode kritisiert, sondern die Optionen die du zur Abstimmung stellst.

Angefangen hat es damit, dass du behauptet hast es wäre ein einfaches self-voting bzw. dann multiaccounts zu unterbinden. Aus technischer Perspektive musste ich dir hier widersprechen, weil es einfach falsch ist.

Dezentralisierung bedeutet nicht ohne Mittelsmänner zu leben. Deine Transaktionen werden durch Mittelsmänner (bitcoin: miner, steem: witnesses) auf die Blockchain geschrieben.
Dezentralisierung bedeutet, dass es keine zentrale Instanz mit Autorität gibt. Der Konsens welche Transaktion gültig ist wird auf Basis des Codes erlangt, und wenn ein Mittelsmann etwas schreiben will was nicht dem Konsens entspricht sorgen die anderen dafür dass es keinen Bestand hat.

Dieser Mangel an zentraler Autorität führt dazu dass niemand die Erstellung von Accounts kontrollieren kann. Das einzige Limit ist, dass ein neuer Account mit gewissen Kosten verbunden ist. Wer diese aufbringt, hat das Recht einen Account zu erstellen. Weitere Möglichkeiten der Kontrolle gibt es nicht und kann es nicht geben. Folglich macht es keinen Sinn self-voting zu untersagen, da niemand weiss wer hinter einem Account steht.

Steem hat des weiteren eine soziale Schicht gebracht, wo die User gemeinschaftlich über die Verteilung der neu ausgegebenen Tokens, der Inflation, entscheiden. Es nutzt dazu die social media Funktionen von content, up- und downvotes.
Du sagst downvotes wären nicht nötig, aber es ist einfach so dass ohne diese jeder sich selbst Rewards proportional zu seinem Stake geben könnte, und eine gemeinsame Entscheidungsfindung nicht möglich wäre. Es ist wie eine laufende Diskussion, in der es pro und contra geben muss.
Es wird keine Polizei etc. geben - Selbstorganisation der Community ist die Basis auf der das Konzept aufbaut. Wie stark dein Argument ist, entscheidet ausschließlich dein Stake, da dies die einzige "neutrale" Größe ist die es erlaubt Berechnungen vorzunehmen.

Mit diesen Hintergründen sind deine Vorschläge im Experiment größtenteils nicht realistisch. Und das war meine Kritik - die Methodik zur Entscheidungsfindung kann nur funktionieren, wenn den Abstimmenden real umsetzbare Optionen angeboten werden.

Ich gehe auch mal auf die einzelnen Vorschläge aus dem Bereich downvotes ein:
1 - ich habe oben erklärt warum downvotes nötig sind. Eine Funktion zum bannen dagegen ist nicht drin. Wer würde darüber entscheiden, was passiert mit den Steem im Eigentum des gebannten, und wie geht man damit um dass er sich einfach einen neuen Account erstellt?
2 - ein Popup Fenster ist Interface Sache, die Blockchain kann dem User kein "Fenster" präsentieren. Es würde somit nur einen Teil der User überhaupt betreffen.
3 - das war der Fall vor HF21. Wie die Erfahrung gezeigt hat wurde damit dieser Teil der gemeinsamen Entscheidungsfindung kaum genutzt, da es die Möglichkeiten positiv beizutragen limitiert, und dieser Teil den meisten wichtiger ist
4 - siehe warum downvotes nötig sind
5 - aktueller Stand
6 - wäre tatsächlich möglich. Könnte allerdings dann auch ein self-vote sein...

Bezüglich der Rewardverteilung muss ich dir ebenfalls widersprechen. Eine demokratische Entscheidung hilft uns hier nicht, da in demokratischen Systemen die Menschen so abstimmen wie es für sie selbst am besten wäre. Die meisten sehen hier nur ihre direkten Vorteile.
Wir sind mit dem System komplett auf Neuland. Und ja, die User sind wie Figuren auf einem Schachbrett. Es müssen spieltheoretische Aspekte beachtet werden - wie verhält sich jemand unter einem gewissen Regelwerk, während er selbst versucht seine Gewinne zu maximieren.
Curation rewards von 75/25 wurden lange getestet, und das Ergebnis war dass die meisten sich auf das Erstellen von Posts fokussiert haben und der wichtige Teil curation nicht genügend Wert hatte. Daher wurde nach ausgiebiger Diskussion, welche übrigens auch Abstimmungen in ähnlicher Form wie der in deinem Experiment beinhaltete, entschieden die Werte zu verändern. Der Vorschlag "lass die User selbst entscheiden" ist kontraproduktiv, alle Beiträge müssen den selben Regeln unterliegen um eine neutrale Entscheidungsfindung zu gewährleisten. "gestaffelt nach SP" ist vor dem Hintergrund der multiaccounts wiederum vollkommen sinnlos.

Zu guter letzt, deine Sicht auf Steemit Inc. und die witnesses.
Steemit Inc. hat die Ressourcen die Entwicklung der Blockchain selbst vorzunehmen. Dabei bringen sie eigene Ideen ein, hören aber auch auf die Community. Die Änderungen in HF21 waren vollständig von der Community gewünscht. Steemit hat sie umgesetzt und ihre eigenen Pläne (SMT) dafür zurückgestellt.
Daneben betreiben sie ein social media Interface das die dezentrale chain als Basis nutzt - steemit.com. Diese Plattform ist nicht dezentral! Sie haben volle Kontrolle darüber wen und was sie zulassen, und wie einzelne Funktionen umgesetzt werden. Sie haben jedoch so gut wie keine Kontrolle über steem, welches die Grundregeln definiert. Wem die Regeln auf steemit.com nicht gefallen, der kann zu einem anderen Interface wechseln, welches z.B. ein anderes trending anzeigt oder runtergevotete Beiträge nicht ausblendet. Alle Interfaces sind aber an die Grundregeln gebunden.

Witnesses sind die Vertreter der Community. Sie sind durch diese gewählt, und bemühen sich das System so zu halten dass es allen nützt. Sie entscheiden durch Mehrheitsentscheid welche Grundregeln gelten.
Dabei verstehen sie sowohl die technischen Möglichkeiten, als auch die spieltheoretischen Aspekte. Änderungen am Design müssen zuerst diesen beiden Punkten genügen, erst dann kann demokratisch entschieden werden welchen Weg man nun einschlägt. Da Spieltheorie keine absoluten Vorhersagen machen kann, ist da viel experimentieren inbegriffen. Ob eine Änderung das Verhalten der User wie gewünscht beeinflusst lässt sich erst hinterher mit Sicherheit sagen. Bisher sieht es so aus, dass HF21 bezüglich der gewünschten Verhaltensänderungen ein Erfolg war.

10.09.2019 11:26
3

Cool, Danke. Ich bin erfreut, dass du reagiert hast. Ich gehe gleich auf das ein, was du hier gesagt hast.

Wer bestimmt die Richtung, wohin eine Diskussion geht? Und tatsächlich HAT es etwas mit der Diskussion zu tun gehabt. Ich lieferte dir die Hintergründe für meine Vorschläge.

Angefangen hat es damit, dass du behauptet hast es wäre ein einfaches self-voting bzw. dann multiaccounts zu unterbinden.

Das ist nicht ganz korrekt dargestellt.
Ich habe gesagt, dass die Selbstvoten-Funktion abgestellt werden könne.
Zweitens sagte ich, dass damit das Problem der multiple accounts wohl dennoch weiterhin bestehen würde.
Drittens habe ich mich auf eine Referenz bezogen (Pi-Network), wo behauptet wurde, dass man dieses unterbinden könne. Das hast du korrigiert, ich war skeptisch und so weiter.

Dezentralisierung bedeutet, dass es keine zentrale Instanz mit Autorität gibt.

Soweit so gut. Du kannst meine eigene Interpretation dahingehend verstehen, auch wenn ich andere Worte dafür benutzt habe. Mit Betonung auf "Autorität".

Wenn ich drei accounts habe A, B, und C und A kann keinen upvote für A machen, sondern nur für B und C, genau wie umgekehrt, ist das für mich ein Unterschied. Es ist für jeden der accounts jeweils 1 Möglichkeit weniger. Du sagst, es macht keinen Unterschied? Wenn ich einen Denkfehler habe, bitte berichtige mich.

Selbstorganisation der Community ist die Basis auf der das Konzept aufbaut.

Ich verstehe Selbstorganisation einer Community nicht nur technisch, sondern auch ideologisch. Sich selbst zu organisieren, ohne eine zentrale Instanz, die das Regelwerk vorgibt, ist ein völlig neues Konzept. Das Getöse auf dem social media Kanal ist ein gutes Indiz dafür. Wenn Selbst-Organisation gehen soll, brauchst du akzeptierte Regeln. Diese Regeln sind es doch, um die hier heiß diskutiert wird. Die Userschaft macht hier gerade die Erfahrung, dass das nicht so einfach ist. Sie macht auch die Erfahrung, was es bedeutet, mit Missbrauch oder anderen als Unliebsamkeiten umzugehen. Das sind Erfahrungen, die jede Gesellschaft macht, die versucht, ein Verteilungswerk aufzubauen. Demokratien sind so entstanden, wir sind hier ein Abbild dieser Entwicklungen in einem neuen Land der digitalen Vernetzungsräume.

Wie stark dein Argument ist, entscheidet ausschließlich dein Stake, da dies die einzige "neutrale" Größe ist die es erlaubt Berechnungen vorzunehmen.

Das habe ich nicht verstanden.

Ein downvote ist ein "exekutives Mittel". Der downvote trägt ein Bestrafungs- oder ein "Benimm-dich-Element" in sich. Damit hast du eine Ausführungs-Instanz. Du siehst selbst, dass wenn du eine Userschaft damit ausstattest, selbst Polizei und Richter zu sein, wie problematisch die Benutzung dieser Funktion ist. Ich sehe die Schwierigkeiten und andere sehen sie auch. Das ist bereits eine Form der Selbst-Organisation, nur leider ist sie nicht aus dem offiziellen erklärten Willen der vielen User erwachsen, sprich, finden die vielen nicht diesen Willens-Ausdruck in der Form einer Wahl, die diese Selbstorganisation darstellt. Mittels eines Wahl-Ergebnisses.

Ich habe überhaupt nichts dagegen, dass so eine Regel besteht, wenn es zuvor eine klare Entscheidung der Community darüber gäbe und ich das auch (in konkreten Zahlen) erkennen könnte. Ich beuge mich dem Regelwerk und kann akzeptieren, wenn andere downvoten, obwohl dieses überhaupt nicht das Mittel meiner eigenen Wahl wäre.

Du missachtest, dass ich die Vorschläge deshalb gewählt habe, weil es die sind, die ich kannte bzw., die mir einfielen - das sagte ich in den jeweiligen Postings.

Bitte unterscheide das Folgende:

  1. Vorschläge, die eine Methode deutlich machen sollen und als Experiment gedacht sind.
  2. Vorschläge, die auf der Basis einer Kooperation als Gruppe entstanden sind, zur Wahl gebracht, ausgewertet werden und dann in die Umsetzung gehen.

Die Leute, die bis jetzt mitgemacht haben, wissen ganz genau, dass diese Vorschläge nicht umgesetzt werden, weil das natürlich bis hierher völlig unmöglich wäre. Es ist eine Teilnahme an einem Experiment, um die ERFAHRUNG der Methode aktiv zu durchlaufen. Was bietet sich besser an, als nah am Thema zu bleiben?

Ich habe dich explizit mit @Zeichen erwähnt, weil du Vorschläge hättest machen können.

Du musst meine Vorschläge nicht gut finden und auch meine Meinung nicht unterstützen. Ich habe sicher in vielen Teilen eine ganz von deiner abweichende. Was grundsätzlich gar kein Problem ist, obwohl ich sie beispielsweise oft vehement vertreten habe und dieses weiterhin tun werde. Darum geht es aber gar nicht bei dieser Methode.

Was die Machbarkeit bzw. technische Umsetzung betrifft: Du bist der Fachmann und kannst Auskunft dazu geben, auf die man sich verlassen können will. Da du aber nicht alles wissen kannst, sind auch andere Fachleute gefragt - die Witnesse sind die ersten, die einem dazu einfallen. Es war also nur logisch, dass ich dich und andere erwähnte, die auf meiner Voting-Liste stehen.

Zahlreiche Nicht-Witnesse bringen ein hohes technisches Verständnis mit und man kann sie in diese Angelegenheit mit einbeziehen plus Nicht-Techniker. Dazu gehört aber auch, eine Idee zu überdenken und sogar zu ermöglichen, die ENTGEGEN der eigenen Präferenz spricht. Leute wollen sich unterschiedlich positionieren und entscheiden können. Das ist die Grundidee von demokratischer Politik.

Eine demokratische Entscheidung hilft uns hier nicht, da in demokratischen Systemen die Menschen so abstimmen wie es für sie selbst am besten wäre. Die meisten sehen hier nur ihre direkten Vorteile.

Also darum geht es mir ja. Diese Annahme zu überprüfen und durch bessere Erfahrungen in ein System zu integrieren. Einen Rahmen zu schaffen, bei dem die Präferenzen KEINE DOMINANTE Rolle spielen, sondern die Unterschiedlichkeit in der Gewichtung.

Bist du gar nicht neugierig, was dabei heraus käme?

Wenn du denkst, dass du weißt, was dabei heraus kommt, ist das ein Problem.

Die Spieltheorie ist derartig komplex, dass sie für mich als Normie nicht in meine Überlegungen fließen kann, weil ich sie nicht verstehe. Verstehst du sie etwa in ihrer ganzen Fülle?

Gewinne maximieren ist etwas, bei dem die Gemüter deutlich auseinandergehen. Das ist ein Vorwurf, der in den offline-Gesellschaften über die Maßen strapaziert wird. Du willst das hier so haben?

Aber das sind alles Meinungen. Über die kann man streiten und streiten. Die vielen einzelnen geringsten Widerstände interessieren mich viel mehr.

Steemit Inc. hat die Ressourcen die Entwicklung der Blockchain selbst vorzunehmen.

= zentrale Entscheidung. Punkt. Das wollte ich mal so deutlich ausgesprochen sehen.

Dabei bringen sie eigene Ideen ein, hören aber auch auf die Community. Die Änderungen in HF21 waren vollständig von der Community gewünscht.

Das ist eine steile Behauptung. Ich denke nicht, dass du für die gesamte Community sprechen kannst, weil dir dazu die Fakten (Auswertung in Zahlen) fehlen. Es ist aus meiner Sicht eine Art wahrgenommenes Stimmungsbarometer.

Witnesses sind die Vertreter der Community. Sie sind durch diese gewählt, und bemühen sich das System so zu halten dass es allen nützt. Sie entscheiden durch Mehrheitsentscheid welche Grundregeln gelten.

Ich habe versucht, dich mit einer anderen Methode als den Mehrheitsentscheid vertraut zu machen. Der Mehrheitsentscheid ist für mich und sehr viele Leute eine rechte Plage. Du bist ein von mir gewählter Witness. Ich will herausfinden, ob dir eine Stimme wie meine eine Perspektive anbieten kann, die du bisher noch nicht kanntest.

Schlussendlich ist Steemit kein in sich geschlossenes System. Es hat Wirkung auf die restliche Gesellschaft. Es ist Teil einer größeren Krypto-Szene, die angefangen hat, etwas zu verändern. So, wie wir hier wahrgenommen werden, hat Wirkung auf andere Plattformen, auf Menschenbilder etc. Bitcoin hat beispielsweise einen sehr schlechten Ruf von wegen Geldwäsche etc.

Bisher sieht es so aus, dass HF21 bezüglich der gewünschten Verhaltensänderungen ein Erfolg war.

Ist noch etwas früh, das zu sagen oder nicht? Zudem... ich wünsche nicht, dass mein Verhalten von wenigen gesteuert werden will. Ich wünsche eine Methode, die in einem System sich nicht so viel mit dem Verhalten auseinandersetzt sondern Bedingungen für viele schafft, wo ich mich vernünftig entscheiden kann.

10.09.2019 13:53
0

lol, Erika-chan ... i havent read that much german since high-school. DId you get in a row with a self-proclaimed dev over the actual applicaion of it ? i replied in another post with a quickie example of how easy it would be to implement using steem/condenser. A degreed schoolboy could probably do it in 30 minutes if they dont need an analyst to tell them what to do first.

I'm sure you know my opinion on the rest. Steemit is not de-centralized indeed, steemit.inc and the fortune 20 make the decisions. Downvoting has peoples scurrd of voicing what they want in whatever way they want and the fact that real money is involved amplifies that (im not gonna do a complete translation for the fans here but this is were we certainly agree)
what i dont completely disagree with is that steemit is a "large" group ... yes from a statisticians point of view, IF you could get every single one to answer and everyone to answer only once, in order to not push their views, but mostly : steemit is not representative sample of "global population" :)

nuff said, sorry, im lethargic lately, barely get anything done and lagging behind three weeks on my replies but i noticed ... i think this the first time i see you post in German , but its definitely you

dont let it get to you, this is just a small pond

11.09.2019 15:23
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lol, too :D my best alleycat.

I've seen you walking around :)

Nah ... I will become distracted with other stuff for sure. I tend to chew on things for a while - I then do that deep and long and with intensity. The topics though always come back to me in one way or the other.

You read that in German? Did you use a translator? Man, you must be really patient. HaHa!

I try my very best to spread the word of systemic consensus. Today I talked to a colleague of mine and she found it a good idea for staff meetings. I will introduce that to my other working stations as well. Maybe even doing a workshop on it. I am in love with that method.

Yes, Steemit is actually a really difficult environment for the systemic consensus approach but for some things and groups it actually might be of service, even the witnesses themselves.

i replied in another post with a quickie example of how easy it would be to implement using steem/condenser.

Please, give me the link - the one you sent couple of days ago, I checked but got no results on the display.

About the length: LOL!

Yes, I think I surpass probably most of the given spaces in text fields. I need to learn to make shorter formulations.

What's that? :

p$ wc -c ./bytecount
15193 ./bytecount

Sending you some love.

11.09.2019 16:35
0